Neue Wege für Bad Saarow? Offene Fraktion im Bürgergespräch zum Stadtentwicklungskonzept
In einer offenen Fraktionssitzung debattierten am 9. März 2026 die Mitglieder der OFFENEN FRAKTION SAAROW: Axel Hylla, Anika Ziervogel, Sandy Weniger-Wenzel als GemeindevertreterInnen der Linken, Helmut Kolzer, SPD, Marianne Hesse, FDP, und Anja Laux mit BewohnerInnen von Bad Saarow.
Das Interesse an der Debatte war groß. Über 60 BewohnerInnen waren der Einladung ins Sukhavati an diesem Abend gefolgt und kamen mit den KommunalpolitikerInnen ins Gespräch. Kernpunkt war: Es gibt in Bad Saarow kaum preiswerten Wohnraum, dafür aber immer mehr teure Eigentumswohnungen, die sich die ansässige Bevölkerung, aber auch die zahlreichen Pendler, die in Bad Saarow arbeiten, nicht leisten können. Die Angebotsmieten für freiwerdende Wohnungen in Bad Saarow sind in den letzten fünf Jahren um fast 40 Prozent gestiegen.
Dabei bewegte sich im 4. Quartal 2025 der Mietpreis für frei angebotene Wohnungen von 9,43 €/m² Nettokaltmiete als niedrigster Wert bis zu 15,73 €/m² als höchster Preis.
Daraus ergibt sich ein Durchschnitt von 10,99 €/m² Nettokaltmiete. Man muss konstatieren, dass die Mieten in Bad Saarow tendenziell höher sind als im Landkreis Oder-Spree und in Brandenburg. Die aktuellen Preise, die von der Plattform Immoscout24 aufgerufen werden, spiegeln die anhaltende Nachfrage nach Immobilien in diesem Gebiet wider und zeigen die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt von Bad Saarow. Auch die Kaufpreise für Wohneigentum liegen mit 3.4740€/m² höher als im Landkreis Oder-Spree mit 2.289 €/m². Von rund 300 Zweit-Wohnungsnutzern erhebt die Gemeinde Zweitwohnungssteuer.
Das zeigt, wie schwer es für junge Familien auch ist, hier Wohneigentum zu erwerben. So kommt es, dass in Bad Saarow eine Art Luxusleerstand an teuren Villen und Eigentumswohnungen entstanden ist, die als Zweit- oder Drittwohnungen nur wenig genutzt werden, während rund 3000 Einpendler, die im Klinikum und der Gastronomie des Kurortes im Schichtsystem arbeiten, hier keine bezahlbare Wohnung finden. Das Helios Klinikum Bad Saarow bat die Gemeinde auf einer der letzten Sitzungen um Unterstützung und hat schon Wohncontainer aufstellen müssen, um Auszubildende in der Pflege unterzubringen.
Daran hat auch das von der Gemeinde 2018 beschlossene Ortentwicklungskonzept leider nichts geändert, resümierte Axel Hylla von der Linken.
Es habe zwar die Defizite aufgezeigt, sei aber bei der Maßnahme-Festsetzung zu wenig stringent und konkret gewesen. Die Offene Fraktion Saarow – ein parteiübergreifender Zusammenschluss von sechs GemeindevertreterInnen von der Linken, SPD, FDP und Parteilosen – setzt sich seit geraumer Zeit dafür ein, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und zu schaffen. Ein Versuch war im Oktober 2025 ein Antrag an die Landesregierung, die Gemeinde Bad Saarow in den Kreis der Gemeinden aufzunehmen, die unter die Mietpreisbegrenzungs- und Kappungsverordnung fallen. Der Antrag wurde allerdings wegen Vorbehalten aus der CDU-Fraktion in der Gemeindevertretung von Nov.2025 bis Februar 2026 hin und her gewälzt und erst viel zu spät im Februar entschieden. Inzwischen hatte die Landesregierung die neue Verordnung beschlossen. Und Bad Saarow ist wieder nicht dabei.
Mehr Stringenz und Verbindlichkeit in der kommunalen Planung und Entwicklung soll nun mit einem offiziellen Stadtentwicklungskonzept (INSEK) in die Wege geleitet werden. Die Mehrheit der Gemeindevertreter hat sich dazu bekannt. Es böte die Chance, in den Bereichen Mobilität und Verkehr, Wohnen und Arbeit, Wirtschaftsentwicklung und Tourismus nachhaltige Entwicklungsziele und entsprechende Maßnahmen zu planen und mit entsprechender Förderung umzusetzen, warb Axel Hylla, Vorsitzender des Bauausschusses, für das Vorhaben. Entscheidend für ihn und seine Fraktion sei aber auch die Einbindung und Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an dem Prozess. Dafür wolle man mit der heutigen Information und Debatte den Aufschlag machen. Die Anwesenden bedankten sich für die Einladung und die Möglichkeit teilzunehmen. Sie hätten schon lange auf so eine Möglichkeit gewartet.
Thomas Grabley, der im alten Saarower Dorfkern wohnt, warnte allerdings davor, dass Konzepte allein nicht ausreichen. Sie kosten Geld und ändern noch nichts an der Realität. Für ihn wäre wichtig, dass endlich ein Ortsteilzentrum auf der Westseite des Sees mit Einzelhandel und Begegnungsstätte zustande gebracht wird. Die Pläne gibt es, aber sie ruhen derzeit, weil private Investoren sich bedeckt halten. Hier müsse die Gemeinde in Vorleistung gehen.
Pfarrerin Anemone Bekemeier begrüßte, dass Familien bezahlbaren Wohnraum finden sollen, möchte aber den grünen Charakter der Gartensiedlung erhalten wissen. Auch die Infrastruktur in der Gemeinde müsse angepasst werden, schlugen Einwohner vor. Ein junger Mann, von Beruf Sozialarbeiter, empfahl, vor allem Kinder und Jugendliche in den Beleidigungsprozess mit einzubinden. Man müsse an die Zukunft denken.
Der anwesende Bürgermeister Christian Schröder von der CDU unterstützte das Vorhaben. Man sei allerdings erst am Anfang des Prozesses. Die Linken und die Offene Fraktion erwarten von ihm, dass er sich in den Führerstand der Lok setzt und nicht wieder als Bremser fungiert.


