Schöneiche feiert in diesem Jahr sein 650-jähriges Jubiläum. Eine gute Gelegenheit, die Ortsgeschichte genauer unter die Lupe zu nehmen. Und siehe da: Sie ist voller starker Frauen, die in und für Schöneiche eine Menge bewegt haben.
Im Straßenbild werden sie allerdings ignoriert. Mehr als 50 unserer Straßen tragen die Namen von Männern. Nur drei Straßen in ganz Schöneiche sind hingegen nach Frauen benannt. Von Gleichberechtigung also keine Spur. Als wenn Geschichte nur von Männern geschrieben worden wäre…
Die Linke nimmt deshalb den Frauentag im Jubiläumsjahr zum Anlass, endlich mehr starke Schöneicherinnen sichtbar zu machen. Es wird vorgeschlagen, drei viel genutzte Wege nach wichtigen Frauen aus unserer Ortsgeschichte zu benennen.
Der Hauptweg im Järgerpark soll den Namen Ruth-Klappenbach-Weg erhalten. Ruth Klappenbach (1911-1977) war eine engagierte Sprachwissenschaftlerin und Historikerin. Seit 1952 war sie Mitbegründerin und Herausgeberin des „Wörterbuchs der deutschenGegenwart ssprache“ (WDG), das zwischen 1961 und 1977 erschienen ist. Wie Dr. Wolfgang Cajar in den Schöneicher Heften (Nr. 21/2018, S. 36-39) berichtet, lebte Ruth Klappenbach mit ihrer Schwester Helene Malige-Klappenbach in der Hubertusstraße 20.
Der Hauptweg im Schlosspark soll nach Rosina Schindler (1688-1746) benannt werden. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Severin Schindler war sie im 18. Jahrhundert Eigentümerin des Rittergutes Schöneiche. Wie Dr. Wolfgang Cajar u.a. in seinen Geschicht(en) von Schloßkirche und Schloß Schöneiche (2006, S. 67-72) rekonstruiert, waren die beiden für zahlreiche Wohltaten gegenüber der Dorfbevölkerung verantwortlich, darunter die Gründung eines Waisenhauses. Nach dem Tod ihres Mannes führte Rosina Schindler das gemeinsame Werk fort und vererbte ihren gesamten Besitz an das inzwischen nach Berlin verlegte Waisenhaus.
Die neue Geh- und Radwegeverbindung zwischen Roloffstraße und Berliner Straße soll den Namen der Historikerin, Politikwissenschaftlerin, Künstlerin und Autorin Jani Pietsch (1947-2020) erhalten. Sie lebte von 1995 bis 2008 in Schöneiche. Einer ihrer Interessen- und Tätigkeitsschwerpunkte war die Auseinandersetzung mit der Entrechtung, Enteignung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung in der Zeit des Nationalsozialismus. In diesem Zusammenhang veröffentlichte Jani Pietsch im Jahr 2006 im Campus-Verlag das Buch „Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin. Das verwaltete Verschwinden jüdischer Nachbarn und ihre schwierige Rückkehr“. Darüber hinaus engagierte sie sich aktiv für die Förderung einer Erinnerungs- und Gesprächskultur über die Verbrechen der Nazis in Deutschland und in Schöneiche. Auf ihre Initiative geht die Verlegung der ersten 22 Stolpersteine sowie die Errichtung des Denkmals im Schlosspark zurück, die im öffentlichen Raum an die jüdischen Opfer der NS-Herrschaft in unserer Gemeinde erinnern.
Geht es nach der Linken, sollten diese drei verdienten Frauen nur die ersten sein, an die im öffentlichen Raum unserer Gemeinde erinnert wird. Es stünde unserer Gemeinde gut an, sich im Jubiläumsjahr und darüber hinaus verstärkt der Würdigung ihrer starken Frauen zu widmen.
Ob das geschieht, darüber entscheidet die Gemeindevertretung am 25. März 2025. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 18.30 Uhr im Rathaus.


